Berlin Science Week, Veranstaltungsszene (Foto: Rebecca Ruetten)
8. September 2026 Autor: eventmasterbook – Magazin (Redaktionsteam)

Event Vorschau Berlin Science Week 2026 – Wo Wissenschaft persönlich wird

Mit rund 300 Veranstaltungen an mehr als 120 Orten geht die Berlin Science Week vom 1. bis 10. November 2026 in die nächste Runde. Unter dem Jahresmotto "In Touch" rückt das Wissenschafts- und Kulturfestival dabei nicht allein Forschungsergebnisse in den Mittelpunkt. Wissenschaft soll als persönliche, sinnliche und gesellschaftliche Erfahrung vermittelt werden. Erstmals wird das Haus der Kulturen der Welt zum zentralen Festivalzentrum. 

Die Berlin Science Week verändert 2026 ihren Blickwinkel. Nach den Festivalmottos "Common Ground" und "Beyond Now" der vergangenen beiden Jahre richtet sich die Aufmerksamkeit nun stärker auf den Menschen. "In Touch" lautet das Jahresthema des Festivals, das vom 1. bis 10. November rund 300 Veranstaltungen an mehr als 120 Orten in Berlin zusammenführt.

Mehr als 230 Partnerorganisationen sind beteiligt, rund zwei Drittel davon aus Berlin. Universitäten, Forschungszentren, Museen, Bibliotheken und Kulturorte werden damit Teil einer dezentralen Festivalarchitektur. Rund 200 Veranstaltungen finden im stadtweiten Programm statt.

Das zentrale Versprechen hinter "In Touch" besagt, dass Wissenschaft nicht nur erklärt werden soll. Das Festival will erfahrbar machen, wie Forschung das persönliche Leben berührt, und zugleich die Menschen hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen sichtbar machen.

Dr. Christian Rauch, Leiter der Berlin Science Week, beschreibt diesen Ansatz so:

"Wissenschaft ist etwas zutiefst Menschliches. Angetrieben von Neugier, Kreativität und Leidenschaft prägt die Arbeit von Forscherinnen und Forschern unser aller Denken, Fühlen und Handeln: von KI-Modellen, die in Sekunden lösen, woran Mathematiker Jahrzehnte rätselten, über die Forschung an Neurotransmittern, die dafür sorgt, dass Depressionen heute behandelbar sind, bis hin zu Klimamodellen, die zeigen, welche Entscheidungen jetzt zählen."

Haus der Kulturen der Welt wird zum Festivalzentrum

Eine wesentliche Neuerung betrifft die räumliche Inszenierung. Vom 6. bis 8. November bündelt die Berlin Science Week einen Teil ihres Programms erstmals im Haus der Kulturen der Welt (HKW).

Rund 100 Veranstaltungen und 25 Ausstellende sollen dort drei Tage lang Live-Talks, Workshops, Filmvorführungen, Performances und Ausstellungen präsentieren. Rund 7.000 Besuchende werden erwartet. Der Eintritt ist kostenlos, erforderlich ist lediglich ein ebenfalls kostenloser 3-Tages-Festivalzentrum Pass.

Damit entsteht neben der dezentralen Struktur des Festivals ein klar erkennbarer physischer Mittelpunkt. Gleichzeitig bleibt die Berlin Science Week in der Stadt verankert: Vom 1. bis 10. November finden an über 120 Orten rund 200 weitere Veranstaltungen statt.

Zugänglichkeit gehört ausdrücklich zum Konzept. Drei Viertel der Veranstaltungen des stadtweiten Programms sind kostenfrei, 90 Prozent aller Veranstaltungen sind rollstuhlgerecht.

Dezentrales Eventformat: Wissenschaft geht in die Stadtteilbibliotheken

Wie ernst der dezentrale Ansatz genommen wird, zeigt das neue Format "Wissen zwischen Büchern". Gemeinsam mit con gressa und dem Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins bringt die Berlin Science Week 14 Berliner Forschungspartner in 33 Stadtteilbibliotheken von Spandau bis Marzahn.

Vom Quiz zum Sonnensystem bis zur Diskussion über altersfreundliche Städte reicht das Programm. Die Veranstaltungen sind kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich.

Damit verlässt Wissenschaftskommunikation bewusst ihre angestammten Institutionen. Nicht das Publikum muss den Weg zur Forschung finden – die Forschung sucht Orte auf, die bereits Bestandteil des Alltags der Menschen sind.

Zwischen Quantenphysik, Late-Night-Show und 360-Grad-Projektion

Auch die Wahl der Formate zeigt, dass die Berlin Science Week Wissenschaft zunehmend mit den Inszenierungsformen von Kultur, Entertainment und Live-Kommunikation verbindet.

Am 6. November beschäftigt sich beispielsweise die HKW-Veranstaltungsreihe "Fertile Void" mit Quantenwissenschaft und -technologie. Am 7. November verbindet "Queens of Science – A Science Theatre Drag Show" Forschung mit den Mitteln einer Late-Night-Show. Bei der "Inspiration Stage" am 7. und 8. November gilt dagegen eine andere Dramaturgie: Wissenschaft in zwölf Minuten. 32 junge Forschende aus aller Welt stellen frühe Hypothesen, Ideen und neue Denkansätze vor.

Auch immersive Medien werden eingesetzt. Am 2. November zeigen drei Forschende und ein Winzer im Zeiss-Großplanetarium erstmals im 360°-Fulldome, wie das GFZ-Projekt RESET untersucht, ob sich ein natürlicher Prozess zur langfristigen Bindung von CO₂ als Kalkstein im Ozean auf ein Weingut übertragen lässt.

Wissenschaft trifft gesellschaftliche Gegenwart

"In Touch" bedeutet zugleich, wissenschaftliche Themen stärker mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten zu verbinden.

Der Harvard-Politologe Daniel Ziblatt, Co-Autor des Bestsellers "Wie Demokratien sterben", analysiert einen Tag nach den US-Zwischenwahlen deren Bedeutung für die USA und Europa. Vladan Đokić, Rektor der Universität Belgrad, beschäftigt sich mit der Frage, wie Universitäten bestehen können, wenn akademische Freiheit und Demokratie unter politischen Druck geraten.

Die Forscherin und Künstlerin Tiara Roxanne wiederum thematisiert Künstliche Intelligenz, indigenes Wissen und die Verschiebung der Grenze zwischen militärischer und ziviler Technologie.

Mit Brian Schmidt kommt der Physik-Nobelpreisträger von 2011 nach Berlin. Gemeinsam mit dem Teilchenphysiker und Wissenschaftskommunikator Harry Cliff von CERN und Cambridge spricht er über die Grenzen der Physik. Die Bioingenieurin Molly Stevens von Imperial College London und Oxford zeigt in der Queen’s Lecture, wie Materialforschung zur früheren Erkennung von Krankheiten und zur Heilung des Körpers beitragen kann.

Weitere Programmgäste sind unter anderem die simbabwisch-britische Biodesignerin Natsai Audrey Chieza, BBC-Journalistin Claudia Hammond, Richard Hemmer und Daniel Meßner mit ihrem Podcast "Geschichten aus der Geschichte" sowie der Inklusionsaktivist, Autor und TV-Moderator Raúl Krauthausen.

Wissenschaftskommunikation für Familien

Eine weitere Neuerung ist ein eigenes Programm für Kinder und Familien im Festivalzentrum. An zwei Vormittagen bietet das HKW Mitmachaktionen, Lesungen, Quizze und Live-Shows für Kinder ab vier Jahren.

TV-Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva ("Die Sendung mit der Maus") beschäftigt sich am 7. November mit Genen, Locken und Sommersprossen. Ein Licht-Workshop verbindet Experimente mit Kunstprojekten für Kinder und Eltern.

Am 8. November bringt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die "DLR_Raumfahrt_Show" auf die Bühne. Riesige Nebelringe, Wärmebildkamera und Astronautentraining sollen die Frage erfahrbar machen: Leben wir bald auf dem Mars?

Raúl Krauthausen und Adina Hermann lesen zudem aus ihrem Kinderbuch "Als Ela das All eroberte". Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das Astronautin werden möchte, mit Rollstuhl lebt und sich mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass nur elf Prozent aller bisher ins All geflogenen Menschen Frauen sind.

Falling Walls Science Summit für Fachpublikum

Neben den Publikumsformaten bleibt die Berlin Science Week zugleich Plattform für die internationale Wissenschaftscommunity. Vom 6. bis 9. November bringt der Falling Walls Science Summit Entscheidungsträger aus Forschung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie wissenschaftliche Nachwuchstalente zusammen.

Angekündigt sind unter anderem Forschungsministerin Dorothee Bär, Astrophysiker Thomas Zurbuchen, Nobelpreisträger Sir Konstantin Novoselov, CERN-Generaldirektor Mark Thomson und Maria Leptin, Präsidentin des Europäischen Forschungsrates.

Festival Programm und kostenloser Festivalpass

Die Berlin Science Week dauert vom 1. bis 10. November 2026. Eröffnet wird das Wissenschaftsfestival mit einer geschlossenen Festveranstaltung beim Festivalpartner Museum für Naturkunde Berlin. Das vollständige Programm der Berlin Science Week 2026 und der kostenlose 3-Tages-Festivalzentrum Pass sind unter berlinscienceweek.com verfügbar.

Kommentar der Redaktion: Ein Wissenschaftsfestival geht dahin, wo die Menschen sind

Es gibt viele Besonderheiten bei diesem Festivalformat. Bemerkenswert aus Sicht des professionellen Eventmanagements ist u. a. die Kombination aus zentralem Festival-Hub und dezentralem Erlebnis-Netzwerk.

Das Haus der Kulturen der Welt schafft mit rund 100 Veranstaltungen an drei Tagen einen verdichteten Festivalmoment, an dem Publikum, Programm und Marke physisch zusammenkommen. Gleichzeitig sorgen mehr als 120 Veranstaltungsorte dafür, dass sich die Berlin Science Week über die Stadt verteilt. Zentralisierung erzeugt Sichtbarkeit und Festivalgefühl; Dezentralisierung erzeugt Reichweite und niedrigere Zugangsschwellen.

Auch das neue Familienprogramm fügt sich in diese Logik ein. Wissenschaft wird nicht nur für ein bereits interessiertes Fach- oder Erwachsenenpublikum angeboten. Das Festival erweitert systematisch die Zahl der möglichen Kontaktpunkte.

Damit spiegelt die Berlin Science Week einen Zeitgeist, der auch außerhalb der Wissenschafts-Kommunikation relevant ist: Institutionelle Autorität allein erzeugt noch keine Verbindung. Die persönliche Beziehung zum Publikum ist entscheidend.

Für Eventmanager:innen lässt sich daraus eine einfache Erkenntnis ableiten: Relevanz entsteht nicht per se durch den Inhalt eines Programms, sei es noch so "Wow!". Entscheidend ist, ob die Menschen diesen Inhalt mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit sinnvoll verknüpfen können.

Die Berlin Science Week macht aus diesem Prinzip 2026 ihr gesamtes Festivalthema: Das Motto "In Touch" steht für die Verbindung von Menschen und Wissenschaft sowie von Wissenschaft und Alltag.

Titelbild: Berlin Science Week, Veranstaltungsszene (Foto: Rebecca Ruetten)

Berlin Science Week, Veranstaltungsszene (Foto: Rebecca Ruetten)
Berlin Science Week, Veranstaltungsszene (Foto: Rebecca Ruetten)

Zusammenfassung (Abstract):
Die Berlin Science Week findet vom 1. bis 10. November 2026 mit rund 300 Veranstaltungen an mehr als 120 Orten statt. Mehr als 230 Partnerorganisationen beteiligen sich. Unter dem Jahresthema "In Touch" stellt das Festival die persönliche und gesellschaftliche Dimension von Wissenschaft in den Mittelpunkt. Erstmals fungiert das Haus der Kulturen der Welt vom 6. bis 8. November als Festivalzentrum mit rund 100 Veranstaltungen, 25 Ausstellenden und einem eigenen Familienprogramm. Für die Eventbranche liefert insbesondere die Verbindung aus zentralem Festival-Hub, dezentralen Veranstaltungsorten, niedrigschwelliger Zugänglichkeit und einer großen Bandbreite an Erlebnisformaten für ganz unterschiedliche Zielgruppen richtungsweisende Impulse.

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