Vanessa Mai, Miriam Audrey Hannah (Bildrechte: Audiotainment Südwest)
29. August 2026 Autor: eventmasterbook – Magazin (Redaktionsteam)

Stimmen aus der Praxis Konzertmarkt unter Druck – Wenn das Live-Erlebnis zur Kostenfrage wird

Ausverkaufte Arenen und Millionen Streams auf der einen, steigende Produktionskosten und schwieriger Ticketverkauf auf der anderen Seite: Das Konzert-Geschäft steht unter Druck. Im Rahmen der "Giovanni Zarrella Show" hat Music Made in Germany mit Adam Lambert, Andi Weizel von Frida Gold, Vanessa Mai, Kerstin Ott und Giovanni Zarrella über die aktuelle Situation gesprochen. Die Aussagen zeigen: Die Krise reicht vom Newcomer bis zum internationalen Star – und stellt die bisherige Logik von Konzert-Inszenierungen infrage. 

Riesige Arenen, große Namen und Millionen Streams sind längst keine Garantie mehr dafür, dass sich Live-Konzerte wirtschaftlich problemlos realisieren lassen. Steigende Produktionskosten treffen auf höhere Ticketpreise – und auf ein Publikum, das genauer entscheiden muss, wofür es sein verfügbares Einkommen ausgibt.

Die Krise im Livegeschäft betrifft damit nicht nur Newcomer und kleinere Acts. Sie beschäftigt die gesamte Musikbranche und reicht über Deutschland hinaus.

Music Made in Germany, die Musikinitiative für die deutsche Künstlerszene der Audiotainment Südwest GmbH & Co. KG, hat diese Entwicklung bei der aktuellen Ausgabe der "Giovanni Zarrella Show" zum Thema gemacht. Als Partnerradio der Show war Music Made in Germany bei der Produktion der großen Sommerparty auf dem Mainzer Lerchenberg mit einem eigenen Interview- und Podcast-Setting vor Ort.

Musikjournalistin und Moderatorin Miriam Audrey Hannah sprach hinter der Bühne unter anderem mit Adam Lambert, Andi Weizel von Frida Gold, Vanessa Mai, Kerstin Ott und Giovanni Zarrella über die Frage, was mit der Livekultur passiert, wenn Konzerte für Künstler immer teurer zu produzieren und für Fans immer schwieriger zu finanzieren werden. 

Hier die O-Töne der Stars:

Adam Lambert, internationaler Superstar: "Es ist gerade schwierig – überall auf der Welt"

Adam Lambert, internationaler Superstar, der bei der großen Sommerparty der Giovanni Zarrella Show gemeinsam mit Giovanni Zarrella auf der Bühne steht, spricht im Interview mit Music Made in Germany über die wirtschaftliche Situation internationaler Liveproduktionen.

Auf die Frage, wie er die aktuellen Schwierigkeiten deutscher Künstler beim Ticketverkauf wahrnimmt, antwortet Lambert: "Ich glaube, das ist überall so."

Und erklärt weiter: "Es ist gerade überall auf der Welt schwierig, Es kostet einfach so viel, diese Shows auf die Beine zu stellen. Deshalb muss man eine bestimmte Anzahl an Tickets verkaufen, damit man die Show überhaupt finanzieren kann. Es ist sehr schwierig."

Auch die amerikanische Künstlerszene kämpfe derzeit mit demselben Problem

"Dasselbe passiert gerade mit der Künstlerszene in den USA. Auch dort haben sie große Schwierigkeiten, Tickets zu verkaufen, weil sie zu teuer sind. Aber solange wir nicht all die Kosten senken können, werden auch die Ticketpreise nicht sinken. Es ist also eine schwierige Situation", so der Künstler.

Lambert verweist zudem auf einen Unterschied zwischen Ländern mit stärkerer staatlicher Kulturförderung und seiner Heimat: "In manchen Ländern gibt es staatliche Förderung. In den USA wird das so schnell nicht passieren."

Die von der deutschen Musikbranche geführte Diskussion erhält damit eine internationale Dimension: Produktionskosten und die daraus resultierenden Ticketpreise werden zu einem Problem für Veranstalter, Künstler und Publikum.


Andi Weizel von Frida Gold: "Auf ein Konzert zu gehen ist ein wirkliches Investment"

Andi Weizel von Frida Gold beschreibt die schwierigen Rahmenbedingungen für deutsche Künstlerinnen und Künstler. Dass die eigene Herbsttour nahezu ausverkauft sei, empfinde die Band in der aktuellen Situation keineswegs als selbstverständlich: 

"Es ist ein Problem, das in der ganzen Branche da ist. Menschen haben im Alltag weniger Geld zur Verfügung für ein Luxusprodukt wie Musik. Das kann man ja so sagen. Wir alle brauchen es natürlich, weil wir es lieben – aber auf ein Konzert zu gehen ist ein wirkliches Investment", so Weizel.

Dabei betrachtet Weizel den Konzertbesuch nicht allein aus Sicht des Ticketpreises, sondern als Summe verschiedener Ausgaben: "Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann kaufe ich zwei Tickets, wir fahren hin, wir trinken was, wir brauchen einen Babysitter – und dann macht man das nicht fünf, sechs, sieben, acht Mal. Wenn man dann die großen Konzerte mit den US-Touren hat, geht es schnell in die Hunderte von Euro. Das ist dann fast ein halber Urlaub, den man da investiert."

Und weiter: "Ich glaube, dass Kontinuität ein Schlüssel ist. Also nicht zu sagen, wir machen weniger, sondern eigentlich zu sagen, wir machen mehr. Dass man den Menschen zeigt: Ihr könnt euch auf uns verlassen, wir sind für euch da."

Weizel richtet zugleich einen konkreten Gedanken an Musikfans: "Vielleicht dann ein Jahr mal nicht das eine große Konzert, sondern lieber zu sagen: Wir gehen vier, fünf Mal auf ein Clubkonzert."

Denn gerade bei Clubkonzerten werde die Unterstützung unmittelbar spürbar: "In dem Moment, wo man zu Konzerten von Künstlern in den Club geht, unterstützt man wirklich da, wo es gebraucht wird."


Vanessa Mai, deutscher Musikstar: "Natürlich will jeder Künstler Tausende Menschen vor sich haben"

Vanessa Mai erlebt eine Situation, in der Fans bewusster entscheiden müssen, für welche Konzerte sie Geld ausgeben: 

"Es ist einfach eine krasse Zeit. Das macht sich überall bemerkbar. Deswegen schätze ich auch umso mehr, wenn die Leute wirklich Geld ausgeben, um zu einer Show zu kommen und Tickets zu kaufen, um die Zeit mit einem zu verbringen."

Mai geht bewusst mit einer Clubtour in kleinere Locations und betrachtet dies nicht als Rückschritt: "Wir haben echt schöne kleine Clubs. Ich freue mich so krass drauf. Ich mache aus jedem und allem immer etwas Besonderes."

Der Wunsch nach großen Bühnen bleibt dennoch bestehen: "Natürlich will jeder Künstler Tausende Menschen vor sich haben. Und natürlich halte ich auch immer noch daran fest: Irgendwann darf ich vielleicht wieder in eine Arena oder sowas. Und wenn nicht, dann geht es mir auch gut."

Für Mai gehört zu einer langfristigen Karriere auch die Fähigkeit, auf veränderte Bedingungen zu reagieren: "Wir machen immer das Beste aus allem und versuchen uns eigentlich nicht zu beschweren, sondern versuchen immer, so wie es gerade ist, uns anzupassen."

Dabei korrigiert sie den Gedanken der Anpassung und unterscheidet zwischen dem eigenen Weg und der Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen: "Ich passe mich ja auch nicht an. Ich gehe ja meinen Weg. Aber angepasst an die sich verändernde Zeit – kann ich nur jedem raten."


Kerstin Ott, deutsche Musik-Ikone: "Auch bei mir gibt es Shows, die nicht gut verkauft sind"

Kerstin Ott spricht ebenfalls offen über die derzeitige Situation im Livegeschäft: 

"Auch bei mir gibt es Shows, die nicht gut verkauft sind. Es ist eine Krisenzeit. Es ist teurer geworden. Man sollte da offen mit umgehen. Ich brauche mich nicht hinstellen und sagen: Bei mir ist immer alles ausverkauft."

Als einen Grund nennt sie die finanzielle Situation vieler Konzertbesucher: "Die Leute haben wenig Geld im Portemonnaie. Viele sparen sich das zusammen."

Gleichzeitig habe sich das Geschäftsmodell für Musikerinnen und Musiker verändert. Einnahmen, die früher durch Tonträger erzielt wurden, fehlen heute: "Heute ist eine CD oder ein Album ein Live-Ticket. Das ist auch wirklich schwierig geworden."

Besonders schwierig sei die Situation für junge Künstler. Ott verweist dabei auch auf die eigene Position: 

"Ich glaube, ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so große Hits haben durfte und dadurch auch Einnahmen gesichert sind. Wenn du heute als Newcomer kommst und mit einem Song, der schon ein Hit ist, da kannst du nicht mehr deinen Kühlschrank monatelang von voll machen. Davon sind wir mittlerweile weit entfernt."

Ott unterstützt deshalb Nachwuchskünstler und nimmt auch weniger bekannte Acts mit auf Tour.


Giovanni Zarrella, bekannter Musiker, Entertainer und Show-Moderator: "Unsere Aufgabe ist es, den Menschen Liebe nach Hause zu schicken"

Dass die Gespräche über die schwierige Situation des Livegeschäfts im Umfeld einer großen Samstagabendshow stattfinden, eröffnet gleichzeitig eine andere Perspektive auf die Funktion von Live-Unterhaltung.

Giovanni Zarrella beschreibt seine große Sommerparty als einen Abend, an dem zum fünfjährigen Jubiläum "alle Superkräfte" zusammengekommen seien. Für ihn steht dabei das gemeinschaftliche und emotionale Erlebnis im Mittelpunkt: 

"Wir wollen die Menschen zusammenbringen. Wir wollen sie glücklich nach Hause schicken. Wir wollen sie unterhalten für drei Stunden. Wir wollen sie auch ein bisschen ablenken vom Alltag. Denn der kann manchmal sehr hart sein, sehr anstrengend, sehr zäh."

Zarrella formuliert daraus auch eine Aufgabe für Entertainer: "Unsere Aufgabe ist es als Unterhalter, den Menschen Liebe nach Hause zu schicken."

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten härter und der Umgang miteinander rauer werde, sieht er darin eine besondere Verantwortung: "Es braucht einfach viel mehr Liebe. Es kostet wirklich nichts, zu jemandem nett zu sein oder jemandem ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Mehr davon, bitte."


Ausstrahlung und Veröffentlichung der Interviews

Die "Giovanni Zarrella Show – Die große Sommerparty" wird am Samstag, 29. August 2026, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Bei der Open-Air-Sommerparty auf dem Mainzer Lerchenberg treffen internationale Stars, große Namen der deutschen Musikszene und Newcomer aufeinander.

Die Interviews erscheinen im Rahmen der "Music Made in Germany"-Radiosendung sowie des Podcast am Freitag, den 28.August 2026.

Die Ausstrahlung im Radio ist am Samstag, den 29.August 2026 von 18.00 – 20.00 Uhr bei RADIO REGENBOGEN, auf RPR1. am Sonntag, den 30.August 2026 von 16:00 Uhr – 19:00 Uhr und am Montag, den 31.August 2026 von 19:00 Uhr – 22:00 Uhr. RADIO REGENBOGEN und RPR1. sind Marken der Audiotainment Südwest.


Kommentar der EventMasterBook.de-Readktion: Das Live-Paradox unserer Zeit

Die Krise im Konzertmarkt offenbart ein Paradox: In einer zunehmend digitalen Welt gewinnt das reale Gemeinschaftserlebnis an Wert – gleichzeitig wird es für Künstler teurer zu produzieren und für das Publikum schwieriger zu finanzieren. Ein Konzert konkurriert dabei nicht nur mit anderen Konzerten, sondern mit Reisen, Gastronomie und anderen Freizeiterlebnissen um das verfügbare Budget. Die Reaktionen der Künstler zeigen, dass größer und spektakulärer deshalb nicht die einzige Antwort sein kann: Kleinere Formate können mit Nähe und Intensität eine andere Qualität bieten. Denn während Musik digital nahezu unbegrenzt verfügbar ist, bleibt der gemeinsam erlebte Live-Moment ein knappes Gut. Für die Eventbranche könnte deshalb künftig weniger die maximale Größe als der maximale Erlebniswert entscheidend sein. Das Live-Paradox unserer Zeit lautet: Je digitaler unser Leben wird, desto wertvoller wird das reale Erlebnis – und desto wichtiger wird es, dieses Erlebnis für die Fans bezahlbar zu halten.

Titelbild: Vanessa Mai im Interview mit Miriam Audrey Hannah (Bildrechte: Audiotainment Südwest)

 Vanessa Mai im Interview mit Miriam Audrey Hannah (Bildrechte: Audiotainment Südwest)
Vanessa Mai im Interview mit Miriam Audrey Hannah (Bildrechte: Audiotainment Südwest)

Verwandte Themen:
Konzertmarkt, Livegeschäft, Krise Konzertmarkt, Live Entertainment, Live-Konzerte, Livekultur, Eventbranche, Konzertkrise, Ticketpreise, Produktionskosten, Konzerttickets, Clubkonzerte, Live Events, Konzertveranstalter, Eventwirtschaft, Music Made in Germany, Giovanni Zarrella Show, Adam Lambert, Frida Gold, Andi Weizel, Vanessa Mai, Kerstin Ott, Giovanni Zarrella, Audiotainment Südwest, RADIO REGENBOGEN, RPR1, Musikbranche, Newcomer, Live Experience, Event Trends, Konzert Trends, Eventkonzepte, Eventmarketing

Zusammenfassung:
Steigende Produktionskosten und Ticketpreise setzen den Konzert-Markt unter Druck. Im Rahmen der "Giovanni Zarrella Show, Sommer-Party" sprechen Adam Lambert, Andi Weizel von Frida Gold, Vanessa Mai, Kerstin Ott und Giovanni Zarrella mit Music Made in Germany über die schwierige Situation. Ihre Aussagen zeigen, dass die Probleme von Newcomern bis zu internationalen Künstlern reichen. Für die Eventbranche entsteht ein Paradox: In einer zunehmend digitalen Welt gewinnt das reale Gemeinschaftserlebnis an emotionalem Wert, während seine wirtschaftliche Realisierung immer schwieriger wird. Kleinere Locations, mehr Fan-Nähe sowie Kontinuität in der Erlebnisqualität werden zu möglichen Antworten auf veränderte Rahmenbedingungen. 

TOPNews GreenBook GlamBook