Neue EU-Richtline – Was die Event-Branche jetzt gegen Greenwashing tun muss (Ersteller: EventMasterBook.de Redaktion)
30. September 2026 Autor: eventmasterbook – Magazin (Redaktionsteam)

Neue EU-Richtlinie Nachhaltige Events – Was die neuen EU-Regeln für die Eventplanung bedeuten

Seit dem 27. September 2026 gelten strengere Vorgaben für Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel. Nicht nur für Marketing-Manager, sondern auch für Eventverantwortliche hat das weitreichende Folgen. Wer gegenüber Verbrauchern seine Veranstaltungen als "grün", "nachhaltig" oder "klimafreundlich" positioniert, muss genauer belegen, was tatsächlich dahintersteht. 

Nachhaltigkeit ist längst ein fester Bestandteil vieler Messe- und Veranstaltungskonzepte. Locations werben mit Umweltstandards, Caterer mit regionalen Produkten, Messebauer mit wiederverwendbaren Systemen und Veranstalter mit "Green Events" oder "klimaneutralen Veranstaltungen". Genau solche Aussagen geraten nun stärker in den Fokus.

Die neue EU-Richtlinie 2024/825

Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel ("Empowering Consumers for the Green Transition"). Sie soll Verbraucher unter anderem besser vor Greenwashing und irreführenden Umweltinformationen schützen. Seit dem 27. September 2026 sind die entsprechenden neuen Regelungen anzuwenden.

Für die Eventbranche ist das nicht nur ein Kommunikationsthema. Die neuen Anforderungen können sich auf die gesamte Planungskette einer Veranstaltung auswirken – von der Auswahl der Location über das Catering und die Dienstleister bis hin zu Eventwebsite, Teilnehmerkommunikation und Kommunikation vor Ort.

"Nachhaltiges Event" ist keine unbedenkliche Formulierung mehr

Besondere Aufmerksamkeit verdienen allgemein gehaltene Umweltaussagen. Dazu gehören beispielsweise Begriffe wie "grün", "umweltfreundlich", "ökologisch" oder "klimafreundlich".

Die neuen EU-Regelungen sehen vor, dass solche generischen Umweltaussagen nicht ohne eine dazu passende anerkannte signifikante Umweltleistung verwendet werden dürfen.

Für die Eventplanung bedeutet das: Ein Veranstalter sollte eine Veranstaltung nicht allein deshalb pauschal als "grün" oder "umweltfreundlich" bezeichnen, weil beispielsweise Mehrweggeschirr eingesetzt wird, die Location mit Ökostrom arbeitet oder auf gedruckte Programme verzichtet wird. Entscheidend wird vielmehr, welche konkrete Umweltleistung tatsächlich erbracht wird und worauf sich eine Aussage genau bezieht.

Statt eines pauschalen "Wir veranstalten ein umweltfreundliches Event" gewinnen konkrete und nachweisbare Informationen an Bedeutung: Welche Materialien werden wiederverwendet? Wie wurde der Materialeinsatz reduziert? Welche Mobilitätsangebote stehen zur Verfügung? Welche konkreten Anforderungen wurden an das Catering oder den Messebau gestellt? Präzision wird damit zu einem wichtigen Prinzip nachhaltiger Eventkommunikation.

Nachhaltigkeit muss früher in die Eventplanung integriert werden

Das hat eine praktische Konsequenz: Green Claims sollten nicht erst kurz vor dem Event entstehen, wenn Marketing, Social Media oder Eventagentur die Kommunikationsmaterialien erstellen. Bereits bei der Eventkonzeption sollte geklärt werden, welche realen, signifikanten Nachhaltigkeitsleistungen tatsächlich kommuniziert werden sollen und welche Nachweise dafür benötigt werden.

Wer beispielsweise später mit einer besonders "ressourcenschonenden Veranstaltung" werben möchte, muss entsprechende Kriterien schon bei der Auswahl von Location, Technik, Catering, Messebau, Ausstattung oder Logistik berücksichtigen.

Eventverantwortliche, Eventplaner und Eventmanager, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, sollten sich zu Beginn jedes neuen Eventprojektes überlegen: Welche konkreten Umweltziele verfolgt die Veranstaltung? Welche Maßnahmen zahlen messbar darauf ein? Welche Daten können erhoben werden? Welche Informationen müssen Dienstleister liefern? Und welche Nachhaltigkeitsaussagen lassen sich daraus später belastbar ableiten?

Auch Dienstleisterangaben sind zu hinterfragen

Events und Veranstaltungen sind typischerweise das Ergebnis der Zusammenarbeit vieler Partner. Agenturen, Locations, Caterer, Messebauer, Technikdienstleister, Mobilitätsanbieter, Dekorateure und weitere Dienstleister liefern jeweils einzelne Bestandteile (Gewerke).

Damit entsteht eine besondere Herausforderung: Der Veranstalter kommuniziert möglicherweise Nachhaltigkeitsleistungen, deren Grundlage die Angaben Dritter bilden. Eine Location bezeichnet sich beispielsweise als nachhaltig. Ein Messebauer bietet ein "ökologisches Standkonzept" an. Ein Caterer wirbt mit "klimafreundlichem Catering". Ein Werbemittellieferant bezeichnet ein Give-away als "grün".

Für die nachhaltige Eventplanung sowie die gesicherte Nachhaltigkeits-Kommunikation sollte deshalb nicht nur die eigene Leistung betrachtet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, wie die Nachhaltigkeitsaussagen der beteiligten Partner nachgeprüft und belegt werden können.

Das kann Auswirkungen auf Briefings, Ausschreibungen und die Auswahl von Eventdienstleistern haben. Wo bestimmte Umweltleistungen später Bestandteil der Eventkommunikation werden sollen, empfiehlt es sich, die benötigten Informationen und Nachweise bereits bei der Beauftragung der Eventpartner einzufordern.

Vorsicht bei eigenen Green-Event-Siegeln ("Green Label")

Auch Nachhaltigkeitssiegel werden von der neuen EU-Direktive erfasst. Eigene Siegel oder Labels sind nicht ohne Weiteres zulässig. Nachhaltigkeitssiegel müssen grundsätzlich auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt worden sein.

Das ist für Events besonders relevant, weil Veranstalter häufig eigene Icons, Logos oder Kennzeichnungen entwickeln – beispielsweise "Green Event", "Sustainable Meeting" oder ähnliche grafische Elemente. Dabei zählt nicht nur der Wortlaut. Auch Symbole, Gestaltungselemente und Bildsprache können eine Umweltaussage transportieren.

Ein grünes Blatt, ein selbst entwickeltes "Eco"-Signet oder ein grafisch wie ein Prüfsiegel gestaltetes Logo kann beim Publikum den Eindruck erwecken, eine bestimmte Nachhaltigkeitsleistung sei geprüft oder zertifiziert. Eventverantwortliche sollten deshalb nicht nur Texte, sondern das gesamte visuelle Nachhaltigkeitskonzept überprüfen.

Alle Eventmedien – nicht nur die Eventwebsite – bedürfen einer Prüfung

Die neuen Anforderungen sind für die Eventbranche auch deshalb bedeutsam, weil Nachhaltigkeitsbotschaften während eines Events an sehr vielen Kontaktpunkten auftauchen können.

Dazu gehören unter anderem:

  • Eventwebsite, Landingpages und Ticketshop
  • Einladungen, Newsletter und Social-Media-Kommunikation
  • Sponsoren- und Ausstellerunterlagen
  • Messestände und Displays
  • Beschilderung und digitale Screens
  • Bühnenpräsentationen und Moderationen
  • Teilnehmerunterlagen und Event-Apps
  • Cateringhinweise und Menübeschreibungen
  • Give-aways und Merchandising
  • Presseunterlagen, Videos und Nachberichterstattung
  • Aussagen von Agenturen, Dienstleistern, Moderatoren oder anderen Kommunikationspartnern


Damit reicht es nicht, lediglich einen Nachhaltigkeitstext auf der Eventwebsite juristisch prüfen zu lassen. Entscheidend ist das Gesamtbild, das gegenüber Teilnehmern und anderen Verbrauchern entsteht.

Achtung "Klimaneutrale Veranstaltung" – der Begriff der Klimaneutralität ist äußerst kritisch

Die neue EU-Richtlinie verbietet Aussagen, wonach ein Produkt – dazu können im relevanten verbraucherrechtlichen Kontext auch Dienstleistungen gehören – aufgrund der Kompensation von Treibhausgas-Emissionen eine neutrale, verringerte oder positive Auswirkung auf die Umwelt habe.

Für Veranstaltungen ist das besonders relevant. Das verbreitete Modell, die Emissionen einer Veranstaltung zu berechnen, durch externe Kompensationsmaßnahmen auszugleichen und das Event anschließend pauschal als "klimaneutral" zu bezeichnen, sollte daher besonders kritisch geprüft werden. Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten kann zwar weiterhin kommuniziert werden. Daraus darf jedoch nicht automatisch eine irreführende Aussage über die Klimaneutralität der Veranstaltung selbst entstehen.

Für Eventverantwortliche verschiebt sich damit der Schwerpunkt: Statt Kompensation als Begründung für eine Klimaneutralitätsaussage einzusetzen, gewinnen konkrete Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion von Emissionen sowie eine präzise Beschreibung dieser Maßnahmen an Bedeutung.

Zukunftsaussagen müssen einen belastbaren Plan vorweisen

Viele Nachhaltigkeitsstrategien arbeiten mit Zukunftszielen: "Bis 2030 sind unsere Veranstaltungen klimaneutral", "In fünf Jahren produzieren wir ausschließlich nachhaltige Events" oder "Unsere Eventserie wird vollständig emissionsfrei". Diese Aussagen können problematisch sein.

Aussagen über künftige Umweltleistungen müssen auf klaren, objektiven, öffentlich zugänglichen und überprüfbaren Verpflichtungen beruhen. Erforderlich sind unter anderem ein detaillierter und realistischer Umsetzungsplan, messbare und zeitgebundene Ziele sowie eine regelmäßige Überprüfung durch unabhängige Dritte.

Ein Nachhaltigkeitsziel ist damit kommunikativ nicht mehr nur eine Absichtserklärung. Wer öffentlich ein konkretes Umweltversprechen für kommende Veranstaltungen formuliert, sollte auch zeigen können, wie dieses Ziel erreicht und überprüft werden soll.

Nachhaltige Events brauchen einen Managementprozess

Für Eventveranstalter, die Nachhaltigkeit kommunizieren wollen, sollten "Green Claims" ähnlich systematisch zu behandeln wie andere Leistungsversprechen. Vor der Veröffentlichung einer Aussage sollte feststehen, worauf sie sich genau bezieht, welche Daten und Nachweise vorliegen, wer diese geprüft hat und wie lange sie aktuell bleiben.

Gerade bei wiederkehrenden Veranstaltungen ist dieser letzte Punkt wichtig. Eine Aussage, die für eine Veranstaltung im Jahr 2026 korrekt war, muss nicht automatisch für die nächste Ausgabe gelten. Location, Catering, Mobilitätskonzept, Teilnehmerzahl oder Dienstleister können sich ändern.

Sinnvoll ist daher ein definierter Freigabeprozess für Nachhaltigkeitsaussagen, in den die Verantwortlichen für das Eventmanagement, die Marketing-Kommunikation, CSR- und Umweltangelegenheiten, den Einkauf und für rechtliche Fragen einbezogen werden.

Sieben Fragen für den Nachhaltigkeits-Check

Folgende Fragen helfen den Eventverantwortlichen, den Planungsprozess zu gestalten und Freigaben zu erleichtern:

  • Was genau ist bei unserer Veranstaltung nachhaltig? (Bezieht sich die Aussage auf die gesamte Veranstaltung oder lediglich auf einzelne Maßnahmen?)
  • Wie lässt sich die Aussage belegen? (Liegen konkrete Daten, Zertifikate oder andere belastbare Nachweise vor?)
  • Sind Angaben von Dienstleistern überprüfbar? (Oder übernimmt der Veranstalter lediglich deren Marketingaussagen?)
  • Ist die jeweilige Aussage für aller Verbraucher/Teilnehmer verständlich? (Wird deutlich, was tatsächlich verbessert wurde?)
  • Erzeugt die Gestaltung einen klaren Eindruck? (Oder suggerieren Farben, Icons oder Logos ggf. eine offizielle Zertifizierung oder Umweltleistung, die nicht konkret belegt ist?)
  • Werden Kompensationsmaßnahmen korrekt dargestellt? (Insbesondere Klimaneutralitätsaussagen auf Basis von CO₂-Kompensation sind kritisch.)
  • Ist der jeweilige Nachweis aktuell? (Bei wiederkehrenden Veranstaltungen sollten Nachhaltigkeitsaussagen für jede Ausgabe erneut überprüft werden.)

Fazit der Redaktion: Nachhaltigkeit wird zur Beweisfrage im Eventmanagement

Die neuen EU-Regeln müssen für die Eventbranche nicht bedeuten, weniger über Nachhaltigkeit zu sprechen. Sie verändern vielmehr die Art, wie darüber gesprochen werden kann.

Für Eventplaner wird die Verbindung zwischen Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitskommunikation enger. Wer später konkrete Umweltleistungen im Zusammenhang mit seinen Veranstaltungen kommunizieren möchte, muss schon während der Eventkonzeption dafür sorgen, dass diese Leistungen definiert, umgesetzt, gemessen und dokumentiert werden können.

Das kann die Qualität nachhaltiger Eventkonzepte tatsächlich erhöhen. Denn an die Stelle pauschaler grüner Botschaften treten konkrete Fragen: Wie viel Material konnte vermieden werden? Welche Ausstattung wird wiederverwendet? Welche Kriterien erfüllt die Location? Welche Maßnahmen reduzieren tatsächlich Ressourcenverbrauch oder Emissionen? Und: Wie kann das alles nachvollziehbar belegt werden?

Damit verändert sich auch die Rolle der Eventplaner und Eventmanager. Wer Nachhaltigkeit im Eventmanagement nach außen kommunizieren möchte, muss sich bereits in der Planung mit relevanten und belegbaren Nachhaltigkeitsmaßnahmen beschäftigen. Von diesem "Job Enrichment" kann die gesamte Branche profitieren. Messen und Events haben eine signifikante Auswirkung auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Jeder verbesserte (real belegbare und signifikante) Beitrag in Richtung Nachhaltigkeit macht einen positiven Unterschied.

Hinweis der Redaktion:
Die fachlichen Ausführungen dieses Artikels ersetzen keine rechtliche Beratung. — Der Herausgeber von EventMasterbook.de, AdCoach (adcoach.de), bietet im Rahmen der AdCoach Academy ein Seminar Green Events – Nachhaltiges Eventmanagement an, das die EU-Regelungen sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema "Nachhaltiges Eventmanagment" berücksichtigt und neue Chancen durch praxisnahe Tipps direkt nutzbar macht.

Titelbild: Neue EU-Richtline – Was die Event-Branche jetzt gegen Greenwashing tun muss (Ersteller: EventMasterBook.de Redaktion)

Neue EU-Richtline – Was die Event-Branche jetzt gegen Greenwashing tun muss (Ersteller: EventMasterBook.de Redaktion)
Neue EU-Richtline – Was die Event-Branche jetzt gegen Greenwashing tun muss (Ersteller: EventMasterBook.de Redaktion)

Verwandte Themen:
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Zusammenfassung (Abstract):
Seit dem 27. September 2026 gelten auf Basis einer neuen EU-Direktive strengere Regeln für Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel. Für Eventmanager bedeutet das: Wer Veranstaltungen als "grün", "nachhaltig" oder "klimafreundlich" kommuniziert, sollte konkrete und belastbare Nachweise vorlegen können. Die neuen Anforderungen wirken deshalb bereits in die Eventplanung hinein – von der Locationauswahl über das Catering, den Messebau und die Mobilität bis zur Kommunikation in den Eventmedien und vor Ort.

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