Illuminierte Gebäude der Kokerei Hansa beim FATT-Festival 2026 in Dortmund (Foto/Copyright: Stadt Dortmund / Stephan Schütze)
19. September 2026 Autor: eventmasterbook – Magazin (Redaktionsteam)

Crossover-Format FATT Dortmund – Wo Industriekultur zur Bühne für die digitale Zukunft wird

Mit dem Festival of Arts, Tech & Taste präsentiert Dortmund ein neues Veranstaltungsformat, das Kunst, Technologie und Kulinarik auf der Dortmunder Kokerei Hansa miteinander verbindet. Das Festival nutzt die Geschichte des Industriestandorts als Ausgangspunkt für eine Erzählung über die digitale Zukunft. Das Format führt Fachveranstaltung, Kulturfestival und Standort-Kommunikation zusammen – und zeigt, wie sich komplexe Zukunftsthemen in Erlebnisse für die Öffentlichkeit übersetzen lassen. 

Die Kokerei Hansa in Dortmund ist ein Ort, an dem sich der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel der Stadt unmittelbar ablesen lässt. Wo früher Kohle verarbeitet wurde, treffen beim neuen FATT – Festival of Arts, Tech & Taste vom 15. bis 20. September 2026 digitale Technologien, Kunst, Musik und Kulinarik aufeinander.

Das Festival nutzt diesen Kontrast nicht nur als atmosphärische Kulisse. Die industrielle Vergangenheit des Geländes wird zum Ausgangspunkt einer Inszenierung, die sich mit der Zukunft der Stadt und grundlegenden gesellschaftlichen Fragen beschäftigt.

Damit verfolgt das FATT einen Ansatz, der über ein klassisches Technologie- oder Kulturfestival hinausgeht: Es verbindet die Vermittlung digitaler Innovationen mit einem öffentlich zugänglichen Erlebnisraum und verankert beides in der Identität des Veranstaltungsortes.

Die Kokerei Hansa als Bühne und Botschaft

Das sichtbarste Element des Festivals ist ein rund zehnminütiges Projection Mapping auf dem Turm der ehemaligen Lehrwerkstatt. Entwickelt vom storyLab kiU der Fachhochschule Dortmund in Kooperation mit der Stadt Dortmund, verbindet die Inszenierung die historische Industriearchitektur mit Fragen nach Identität und gesellschaftlichem Wandel.

"What is human?"
"What is Europe?"
"What’s beyond that wall?"
"Was macht Dortmund aus?"

Diese Fragen geben dem Festival eine inhaltliche Dimension, die über die Präsentation technologischer Möglichkeiten hinausreicht. Es geht nicht allein darum, welche Innovationen entstehen, sondern auch darum, wie sich Menschen, Städte und Gesellschaften durch sie verändern.

Mehr als 600 Scheinwerfer verwandeln das gesamte Kokereigelände in eine Lichtlandschaft. Die Architektur wird dabei selbst zum Medium: Die ehemalige Industrieanlage ist nicht nur Schauplatz der Veranstaltung, sondern Teil ihrer Erzählung.

Die Lichtinszenierung bildet zugleich einen wiederkehrenden dramaturgischen Höhepunkt. Während sich die Besucherinnen und Besucher tagsüber zwischen unterschiedlichen Angeboten bewegen, führt das Mapping sie am Abend zu einem gemeinsamen Erlebnis zusammen.

Damit erhält das Festival einen visuellen und inhaltlichen Mittelpunkt, der seine unterschiedlichen Themen miteinander verbindet.

Drei Erlebniswelten, eine gemeinsame Idee

Der Name FATT – Festival of Arts, Tech & Taste beschreibt die drei programmatischen Säulen des Formats. Kunst, Technologie und Kulinarik werden jedoch nicht lediglich als eigenständige Themenbereiche nebeneinandergestellt. Vielmehr übernehmen sie unterschiedliche Funktionen innerhalb eines gemeinsamen Veranstaltungskonzepts.

Die Kunst schafft einen emotionalen und ästhetischen Zugang. Sie macht den Veranstaltungsort erfahrbar und eröffnet mit dem Projection Mapping einen Raum für gesellschaftliche Fragen.

Die Technologie liefert die inhaltliche Zukunftsperspektive. Digitale Innovationen werden nicht ausschließlich in Vorträgen und Fachgesprächen behandelt, sondern auch über interaktive Anwendungen vermittelt. So ermöglicht beispielsweise der VR-Wingsuit-Simulator WingSim, mit eigenen Körperbewegungen durch eine virtuelle Landschaft zu fliegen.

Die Kulinarik wiederum schafft einen niedrigschwelligen, geselligen Rahmen. Streetfood, Biergarten und Kochshows bieten Anlässe zum Verweilen und ermöglichen Begegnungen jenseits eines klassischen Konferenzprogramms.

Die Kombination dieser drei Bereiche ist der eigentliche konzeptionelle Kern des Festivals. Menschen können über unterschiedliche Interessen Zugang zum FATT finden und dabei mit Themen in Berührung kommen, die sie möglicherweise nicht gezielt aufgesucht hätten.

Das Festival setzt damit auf eine Dramaturgie der Entdeckung: Es verlangt nicht, dass sich Besucherinnen und Besucher von Beginn an für digitale Technologien interessieren. Es schafft Situationen, in denen Neugier entstehen kann.

Die Digitale Woche bekommt eine öffentliche Festivalbühne

Das FATT ist eng mit der 10. Digitalen Woche Dortmund (#diwodo) verbunden, die vom 15. bis 21. September 2026 stattfindet.

Die Jubiläumsausgabe umfasst rund 150 Veranstaltungen von Unternehmen, Hochschulen, Start-ups und weiteren Partnern an unterschiedlichen Orten in Dortmund. Inhaltlich reicht das Spektrum von Künstlicher Intelligenz und IT-Sicherheit über digitale Bildung bis zu Gaming, Sporttechnologie und digitalen Geschäftsmodellen.

Die Entwicklung der Digitalen Woche verdeutlicht Heike Marzen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung:

"Anfangs waren es zehn Unternehmen, die füreinander Veranstaltungen organisiert haben. Heute sind es über hundert, und die Community rund um das Netzwerk der #diwodo ist international geworden."

Das FATT erweitert diese gewachsene Veranstaltungsstruktur um eine zusätzliche Ebene. Während die Digitale Woche ein Netzwerk für den fachlichen Austausch bildet, öffnet das Festival die Themen der digitalen Transformation für eine breitere Öffentlichkeit.

Vom Fachpublikum zur Stadtgesellschaft

Eine wesentliche Eigenschaft des FATT ist seine Offenheit gegenüber unterschiedlichen Zielgruppen.

Das Festival verbindet Fachbesucherinnen und Fachbesucher mit Menschen, die vor allem wegen der Musik, des kulinarischen Angebots, der Industriekultur oder eines Familienausflugs auf die Kokerei Hansa kommen. Die einzelnen Angebote bilden unterschiedliche Zugänge zu den übergeordneten Themen des Festivals.

Ein Beispiel ist der Roboter-Bauworkshop der Digitalwerkstatt Dortmund: hier können Kinder ab fünf Jahren Technologie selbst gestalten.

Ein weiteres Beispiel sind die Führungen über das Gelände der Internationalen Gartenschau 2027: sie machen den räumlichen Wandel der Kokerei Hansa unmittelbar nachvollziehbar. Während des FATT-Festivals ermöglichen diese Führungen Einblicke in das derzeit noch gesperrte Gelände des künftigen Kokereiparks. Die Besucherinnen und Besucher können damit nicht nur das historische Industriedenkmal erleben, sondern auch die bevorstehende Veränderung des Areals kennenlernen.

Standort-Kommunikation als öffentliches Erlebnis

Die Verbindung von FATT und Digitaler Woche ist Teil der Dortmunder Standortkommunikation. Bei der Eröffnung am Dienstag, 15. September, beteiligte sich Oberbürgermeister Alexander Kalouti am symbolischen Start per Buzzer. Im Eröffnungstalk beschrieb er den Anspruch der Stadt:

"Dortmund ist ein Ort, an dem man neu denken kann und auch neu denken sollte. Wir wollen vorgegebene Pfade verlassen und den Mut haben, Neues zu schaffen. Diese Offenheit und die Bereitschaft, auch einmal ins Risiko zu gehen, gehören für mich zur Dortmunder DNA. Wir müssen uns international vernetzen, um attraktiv zu sein und im Wettbewerb mitzuspielen. Dafür ist Dortmund gut aufgestellt: mit sieben Hochschulen, 19 leistungsstarken Forschungseinrichtungen und einer Start-up-Community, die sich mit Berlin und München messen kann."

Das FATT-Festival übersetzt diesen Anspruch in ein räumliches und sensorisches Erlebnis. Anstatt die Innovationskraft des Standorts ausschließlich über wirtschaftliche Kennzahlen, Forschungsinstitutionen oder Firmenpräsentationen zu kommunizieren, werden die beteiligten Themen und Akteure in einem öffentlich zugänglichen Eventformat sicht- und erlebbar.

EventMasterBook-Kommentar: Die besondere Mechanik des FATT-Festivals

Das Besondere am FATT ist nicht die Addition von Kunst, Technologie und Kulinarik zu einem neuen Crossover-Event-Konzept. Es ist die Art, wie diese drei Bereiche unterschiedliche Aufgaben innerhalb einer gemeinsamen Zukunftserzählung übernehmen. Das Festivalformat verbindet populäre und fachspezifische Themen – und spricht eine breite Zielgruppe durch die Verzahnung von drei Ebenen an:

Erste Ebene: Aufmerksamkeit durch visuelle Inszenierung

Die Lichtlandschaft und das Projection Mapping verwandeln die Kokerei Hansa in einen außergewöhnlichen Erlebnisraum. Die Industriearchitektur erzeugt einen visuellen Kontrast zur digitalen Inszenierung und macht die Transformation des Ortes unmittelbar sichtbar. Die historische Kulisse dient dabei als emotionaler Anker für die Zukunftserzählung.

Zweite Ebene: Niedrigschwelliger Zugang durch vertraute Erlebnisse

Kulinarik, Musik und Kultur schaffen Anlässe für einen Festivalbesuch, die keine besondere Affinität zu Technologie voraussetzen. Das Publikum wird nicht ausschließlich über Fachinteressen angesprochen. Die Veranstaltung ermöglicht einen beiläufigen Zugang zu digitalen Zukunftsthemen.

Dritte Ebene: Vertiefung durch Beteiligung

Interaktive Technologien, Workshops und Challenges eröffnen den großen und kleinen Besucherinnen und Besuchern verschiedene Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Aus der Betrachtung von Innovation wird eine persönliche Erfahrung. Digitale Technologien werden nicht nur erklärt, sondern können in ausgewählten Formaten ausprobiert und mitgestaltet werden.

Fazit: Das FATT-Festival zeigt, wie sich ein bestehendes Veranstaltungsformat weiterentwickeln und für ein größeres Publikum öffnen lässt. Die Digitale Woche verfügte bereits über ein Netzwerk aus Unternehmen, Hochschulen und Start-ups. Das FATT ergänzt dieses Netzwerk um eine öffentliche Erlebniswelt, ohne die fachliche Veranstaltung ersetzen zu müssen.

Die Kokerei Hansa liefert dafür eine eigenständige Erzählung. Ihre industrielle Vergangenheit macht den Wandel der Stadt sichtbar und verleiht den Zukunftsthemen einen konkreten Bezug.

Das FATT integriert zudem drei wesentliche Ziele: 1) es macht Dortmund als Innovationsstandort sichtbar, 2) es eröffnet einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu technologischen Zukunftsthemen, 3) es bringt neue Zielgruppen in die Region.

Ob das neue Festivalformat diese Ziele auch längerfristig erreicht, ist zu beobachten. Für die Eventbranche ist jedoch bereits die konzeptionelle Anlage aufschlussreich: Das FATT zeigt, wie sich aus einem historischen Ort, einem bestehenden Fachnetzwerk und einem offenen Kulturprogramm ein attraktives Crossover-Konzept entwickeln lässt, das für ganz unterschiedliche Zielgruppen releant ist und diese zusammenbringt.

Alle Informationen zum FATT-Festival sind unter fatt-dortmund.de verfügbar. 

Titelbild: Illuminierte Gebäude der Kokerei Hansa beim FATT-Festival 2026 in Dortmund (Foto/Copyright: Stadt Dortmund / Stephan Schütze)

Illuminierte Gebäude der Kokerei Hansa beim FATT-Festival 2026 in Dortmund (Foto/Copyright: Stadt Dortmund / Stephan Schütze)
Illuminierte Gebäude der Kokerei Hansa beim FATT-Festival 2026 in Dortmund (Foto/Copyright: Stadt Dortmund / Stephan Schütze)

Zusammenfassung:
Das neue Festival of Arts, Tech & Taste (kurz: FATT) verbindet auf der Kokerei Hansa in Dortmund Kunst, Technologie und Kulinarik. Das Crossover-Format zeigt, wie Standort-Kommunikation durch historische Architektur, Beteiligung und niedrigschwellige Angebote neue Zielgruppen erreichen kann.

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